23.02.2021

Die Pandemie hat in Wirtschaft, Politik und der Gesellschaft Schwachstellen schonungslos aufgedeckt. Diese müssen nun ausgebessert werden, um gestärkt und widerstandsfähig aus der Krise hervorzugehen. Robert Jacobi, Founding Partner bei Nunatak, gibt im Interview spannende Einsichten zum Reboot, den er sich in seinem neuen Buch „Reboot – Der Code für eine widerstandsfähige Wirtschaft, Politik und Gesellschaft“ für die Zukunft wünscht.

Worum geht es bei deiner Idee des Reboots?

Jacobi: „Zunächst beobachte ich die Situation: Die aktuelle Lage hat nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in politischen und gesellschaftlichen Bereichen großen Nachholbedarf aufgezeigt. Entscheidungsprozesse laufen in der Krise schleppend und die digitale Infrastruktur macht vielen Zuhause arbeitenden Angestellten und Kindern im Home Schooling zu schaffen.

Das Buch ist alles andere als ein Fachbuch für einen bestimmten Bereich. Vielmehr beobachte ich die letzten zwölf Monate der Corona-Pandemie und analysiere, welche Chancen ein Reboot für viele Sektoren bieten kann. Ich schaue dort bewusst recht breit auf das Bildungssystem, Mobilität, Energie, (…), Sprache und auch die öffentliche Kommunikation. Ich glaube das ist aktuell sehr wichtig und tut Not.“

Digitales Homeoffice im Arbeitsalltag und digitale Unterhaltungsmedien in der Freizeitgestaltung sind Errungenschaften des technischen Fortschritts. Ohne die bisherigen Fortschritte der Digitalisierung hätten wir statt eines Reboots jetzt womöglich einen dauerhaften Platinenschaden. Rettet die Digitalisierung jetzt also Wirtschaft, Politik und Gesellschaft?

Jacobi: „Wir fangen ja nicht genau heute der mit Digitalisierung an. Man sieht das anhand der letzten zwölf Monate: Als Konsumenten sind wir ja vollkommen digital unterwegs und vielen Strukturen in Deutschland damit weit voraus – wir nutzen die globalen Netzwerke und Plattformen. Das Gegenteil sieht man aktuell bei vielen Unternehmen und Behörden. Auch in meiner Rolle als Digitalberater bei Nunatak habe ich gesehen, wie vermeintlich digitale Startups und Digital First Adopter sich schwertaten, ihre Mitarbeiter am Anfang des Lockdowns ohne Probleme im Homeoffice zu versorgen.

Es war eine Illusion zu glauben, dass die technische Infrastruktur in Form von Smartphones, sozialen Netzwerken und innovativen Ideen in der Gesellschaft und Wirtschaft schon so funktioniert, wie sie funktionieren könnte. Damit meine ich nicht die Digitalisierung als Selbstzweck. Sondern eher, die Technologien dafür zu nutzen, das Leben der Gesellschaft besser und einfacher zu machen. Wir sollten uns, auch in Anbetracht auf Zukunftsthemen wie den Klimawandel oder Mobilität, technologisch weiter öffnen.

Ich will mit dem Buch aber vor allem einen positiven Appell zum Aufbruch und Optimismus liefern. Es ist kein Buch, das alles schlecht redet. Ich will viel mehr Rezepte für alle Entscheidungsträger liefern – und die Menschen ansprechen, die in ihrem Umfeld mehr bewirken wollen.“

Du schreibst in Deinem Buch über die einmalige Chance, jetzt eine krisensichere Zukunft zu gestalten. Wen siehst Du in der Pflicht und auf wen setzt Du Deine Hoffnungen? Was kann jeder Einzelne von uns tun?

Jacobi: „Ich sehe ehrlich gesagt uns alle in der Pflicht. Wir hatten echte Boom-Jahre und das längste Wirtschaftswachstum seit der Nachkriegszeit. Den Meisten von uns geht es trotz der Krise gut. Ich beobachte auch einen starken Rückzug ins Private von vielen Menschen während der Pandemie. Viele blenden die aktuellen, oft deprimierenden Nachrichten aus. Was vor der Pandemie mit Fridays for Future angefangen hat, brauchen wir jetzt als gesellschaftlichen Aufbruch – und das übergreifend über alle Themen hinweg.

Ich sehe hier nicht nur Politiker und Wissenschaftler in der Pflicht, nächste Schritte zu gehen. Auch Unternehmer oder Privatleute mit frischen Ideen sehe ich beauftragt, durch ihr Handeln einen neuen Gesellschaftsentwurf aufzubauen und die Lücken, die die Corona-Pandemie gezeigt hat, zu schließen. Und nicht zuletzt sehe ich uns alle in unserem persönlichen Umfeld. Wir vergessen hier oft, welche Wirkung man als Person auf die Angehörigen und Freunde hat.“

Was hat Dich persönlich bewogen, dieses Buch zu schreiben?

Jacobi: „Die Idee kam mir letztes Jahr im Lockdown. Wie alle anderen saß ich in dieser Zeit viel Zuhause und habe die Nachrichten beobachtet. Mir wurde bewusst: Es ist natürlich wichtig, dass wir in der Höchstzeit der Pandemie auf die Infizierte-Zahlen schauen. Aber man hatte auch damals schon die Sorge, dass diese Entwicklung zu einer gewissen Angstgetriebenheit führt und vergessen wird, um welche Themen es wirtschaftlich und gesellschaftlich auch schon vor der Pandemie tatsächlich ging.

Die Erfahrung im Kundenaustausch als Digitalstratege bei Nunatak hat mir dann gezeigt, wie schwer sich große Unternehmen und ganze Branchen in dieser Situation taten. Bei Vielen war sprichwörtlich der Dampf raus.

Zu guter Letzt war natürlich auch ausschlaggebend, dass ich gerne schreibe. Vermischt mit der Zeit, die ich durch die entfallenden Geschäftsreisen hatte, wurde dann aus der Idee relativ spontan die Wirklichkeit.“

 

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